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Mein Esstisch hat es nicht leicht bei mir. Er steht in einer 45 Quadratmeter Wohnung und muss gleichzeitig als Schreibtisch, Bastelplatz und manchmal sogar als Abstellfläche für die Wäsche herhalten. Als ich vor zwei Jahren umzog, wusste ich genau: Ein klobiges Möbelstück aus schwerem Massivholz kommt mir nicht in die Wohnung. Ich brauchte einen Esstisch der mitdenkt. Der sich ausklappen lässt wenn Besuch kommt und der nicht den halben Raum frisst. Also begann die Suche nach einem Modell das beides kann: Alltagstauglichkeit für eine Person und genug Platz für vier bis sechs Personen wenn Freunde zum Abendessen kommen.

Die meisten ausziehbaren Tische haben ein Problem. Sie sehen aus wie ein überdimensioniertes Puzzle mit einer sichtbaren Fuge in der Mitte. Ich habe mir mindestens zwölf Modelle angeschaut bevor ich einen gefunden habe der wirklich funktioniert. Der Trick liegt in der Mechanik. Statt einer groben Ausziehplatte die man irgendwo lagern muss, gibt es Systeme mit synchroner Einlage. Der Tisch klappt sich durch eine Drehbewegung auf und die versteckte Platte gleitet von selbst heraus. Mein jetziger Esstisch braucht dafür genau drei Sekunden und ich muss keine Tischdecke drüberlegen um die Naht zu verstecken.

Natürlich spielt das Material eine große Rolle. Eine lackierte Eichenplatte ist robust aber auch schwer. Wer oft umstellt oder den Tisch an die Wand schieben muss, zu einem Modell mit einer leichteren Konstruktion. Ich entschied mich für eine Kombination aus MDF mit einer Echtholzfurnier. Das sieht täuschend echt aus, ist aber mit 18 Kilogramm noch gut zu bewegen. Die Beine sind aus gebürstetem Stahl gefertigt. Sie lassen sich mit einem Handgriff abnehmen falls ich den Tisch komplett an die Seite räumen will.

Ein Detail das ich anfangs unterschätzt habe: die richtige Höhe. Ein Standard-Esstisch hat 76 Zentimeter. Das passt für die meisten Stühle. Aber wenn ich meinen Laptop darauf abstelle und im Homeoffice arbeite, fehlen mir genau diese fünf Zentimeter mehr. Mittlerweile gibt es Modelle mit höhenverstellbaren Beinen. Manche haben sogar eine gasdruckgefederte Mechanik wie bei einem höhenverstellbaren Schreibtisch. Für mich war das zu teuer. Stattdessen kaufte ich nachträglich höhenverstellbare Gummifüße die ich bei Bedarf aufschraube.

Die Farbe des Tisches entscheidet über die gesamte Raumwirkung. In meinem Fall mit weißen Wänden und einem hellen Eichenparkett durfte der Tisch nicht zu dunkel sein. Ich wählte einen Esstisch in warmem Nussbaumton. Die Beine sind schwarzgrau lackiert. Das gibt einen schönen Kontrast ohne zu dominant zu wirken. Ein Bekannter von mir hat stattdessen eine weiße Hochglanzplatte. Die sieht steril aus und jeder Krümel ist sofort sichtbar. Bei meiner Nussbaumvariante fallen Flecken und kleine Kratzer kaum auf.

Wenn der Tisch mal wirklich groß sein muss für die Familienfeier, kommt ein zusätzliches Problem: die Stühle. Vier Stühle passen immer. Aber für sechs Personen brauche ich zwei Klappstühle aus dem Schrank. Die stehen dann etwas wackelig auf dem Parkett. Ich habe mir deshalb vor einem Jahr eine schmale Sitzbank für die Längsseite besorgt. Die Bank ist nur 38 Zentimeter tief und passt unter den Tisch wenn sie nicht gebraucht wird. So habe ich immer Platz für zwei zusätzliche Gäste ohne dass ich Stühle herumtragen muss.

Ein weiterer Aspekt den ich gelernt habe: die Pflege der Oberfläche. Mein Esstisch bekommt regelmäßig heiße Tassen und verschütteten Rotwein ab. Eine Schutzschicht aus Hartwachsöl schützt das Holz besser als eine durchsichtige Lackierung. Nach einem Missgeschick mit einer Kerze entstand ein kleiner Brandfleck. Den habe ich mit feinem Schleifpapier und etwas Öl wieder wegbekommen. Bei einer lackierten Platte wäre der Schaden permanent gewesen. Seitdem öle ich die Platte alle sechs Monate nach. Das kostet zehn Minuten und hält das Holz geschmeidig.

Die Kombination aus Esstisch und einem Bett für Gäste ist ein häufiges Problem in kleinen Wohnungen. Viele meiner Freunde haben eine ausklappbare Couch oder ein Schlafsofa. Aber ich wollte nicht, dass mein Sofa jeden Abend in ein Bett verwandelt wird. Die Lösung war eine schmale Couch mit einer integrierten Ausziehfunktion. Tagsüber sitzt man darauf, nachts wird sie zu einem Bett mit einem 16 cm dicken Matratze aus Kaltschaum auf einem stabilen Stellrahmen. Der Bezug ist aus einem strapazierfähigen Mikrofaserstoff der sich leicht reinigen lässt.

Manchmal überlege ich ob ich mir nicht doch ein richtiges Bett mit Stauraum für die Gäste anschaffen sollte. Ein Bett mit eingebautem Bettkasten wäre praktisch. Aber dann müsste ich meinen Esstisch durch ein kleineres Modell ersetzen. Ich habe mich dagegen entschieden. Der Tisch ist mir wichtiger. Stattdessen habe ich eine Truhe neben dem Tisch stehen in der ich Gästebettwäsche und zwei Kopfkissen aufbewahre. Wenn jemand übernachtet, wird die Couch ausgezogen und das Bettzeug ist in dreißig Sekunden griffbereit.

Die Entscheidung für den richtigen Esstisch war ein Lernprozess. Am Ende zählt nicht das teuerste Modell oder das mit dem meisten Schnickschnack. Sondern der Tisch der in deinen Alltag passt. Der morgens mit einer Tasse Kaffee und abends mit einer Flasche Wein funktioniert. Der nicht im Weg steht wenn du Platz zum Yoga machen brauchst. Und der bei einem spontanen Besuch von vier Freunden einfach mal kurz aufgeklappt wird. Mein Tisch macht das jetzt seit zwei Jahren mit. Er hat ein paar Kratzer und eine kleine Brandnarbe. Aber er ist mein Mittelpunkt im Raum.

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